Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Ein Jahr als Freiwillige im Kinderheim „Árbol de la Esperanza“

10.10.2010, 10:00

„Erziehung ist Beziehung“

„Erziehung ist Beziehung“ – dieser Leitspruch begegnete mir während der Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst und beschreibt prägnant meine Tätigkeit als Freiwillige im Kinderheim „Árbol de la Esperanza“. Als Freiwillige einer Wohngruppe begleitete ich die Kinder und Jugendlichen vom Aufstehen bis zum Einschlafen, lebte mit ihnen zusammen, teilte schöne und schwierige Momente mit ihnen. Ich brauchte einige Zeit um im Projekt richtig „anzukommen“ und mit den Kindern und meinen Mitarbeiterinnen warm zu werden.
Vielen Situationen fühlte ich mich zu Beginn aufgrund der Sprache, der Unsicherheit mit der neuen Kultur und dem Umgang mit größtenteils misshandelten Kindern nicht gewachsen. Diese Unsicherheit bewirkte zu beobachten statt zu handeln, mich den Gegebenheiten anzupassen statt mich gewohnheitsmäßig zu verhalten und offen, interessiert und sensibel für das Neue zu sein.

So lernte ich Tagesabläufe und Gewohnheiten nach und nach besser kennen und konnte einschätzen, wie ich mich in alltäglichen, aber auch in Problemsituationen verhielt, wie lange der Reis gekocht werden musste, wann ich einem Kind Grenzen aufzeigen musste und wie im Team ein Konflikt angesprochen wurde. Doch auch nach der Eingewöhnungsphase glich kein Tag dem anderen; so gab es immer wieder unvorhersehbare Ereignisse, die schnelles, aber auch überlegtes Handeln erforderten, und problematische Situationen, die mir immer wieder die Unterschiede zwischen meiner Vergangenheit und der Geschichte der Kinder vor Augen führte. Die Gespräche im Team halfen mir in diesen Situationen angemessen zu handeln und auf die Kinder einzugehen.

Hinsichtlich der Jungen bewährt sich der oben genannte Leitspruch, merkte ich doch wie die Kinder und Jugendlichen sich mir gegenüber nach vielen gemeinsamen Erlebnissen – dem Bewerkstelligen der Hausaufgaben und Tätigkeiten im Haushalt, dem Lernen für Prüfungen, vor allem jedoch nach Spielen und Gesprächen – öffneten und wir miteinander vertraut wurden. Das Scherzen mit den Kindern am Mittagstisch, das Vorlesen und Musizieren mit den Kleinen vor dem Schlafengehen und ernsthafte Gespräche am Abend mit den älteren Jungen ließen mich dann alle aufgebrachte Geduld und Anstrengung, das frühe Aufstehen und die niedrigen Temperaturen im Heim vergessen. Insgesamt war es ein Jahr voller intensiver Erfahrungen und Eindrücke, durch die ich mich von einer anderen Seite kennengelernt habe, die meine Ansichten ein Stück weit verändert und meinen Blickwinkel erweitert haben.

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